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Geht es immer nur ums Aufräumen und Ausmisten?

Endlich ausmisten, endlich Dinge rausschmeissen, endlich mal die Anzahl der Dinge in der Wohnung reduzieren. Nicht mehr so viele Staubfänger, nicht mehr so viel Tand und Deko-Zeugs, keine CDs mehr und keine ewig langen Bücherreihen. Keine Schüsselchen und Schälchen, keine Figuren mehr aus Porzellan – doch wer will heute noch Porzellanfigürchen oder Gipsengelchen bei sich herumstehen haben? Ja, Geschmack ist verschieden und sei unbenommen. Jeder soll nach seiner Lust und Laune sein Interieur einrichten. Ob nun viel oder wenig, nein, das ist nicht egal. Im Minimalismus gewinnt nur, wer seine eigenen vier Wände ausgeräumt hat und idealerweise fast nichts mehr in seinen Räumen herumstehen hat.


Minimalismus wird v.a. in Verbindung gebracht mit dem Ausmisten der eigenen Bude, mit dem Wegwerfen von Dingen, die ruhig und permanent in der Ecke stehen. Das Motto lautet: „Was ein Jahr nicht angefasst wurde, fliegt raus!“



Minimalismus hat materielle Dinge im Blick!?

Ist diese Fixierung auf materielle Dinge der Kern von Minimalismus? Und warum hat man immer das Gefühl, es geht ständig nur um Materielles? Um Konsum bzw. um das Freiwerden davon?

Minimalismus ist nur auf den ersten Blick das Wegwerfen von Nippes und von anderem mehr oder weniger wichtigen Dingen. Minimalismus geht es um mehr als das Leerräumen der Wohnung. Es geht viel mehr in einer komplex gewordenen Welt um das Vereinfachen der Vielschichtigkeit der vielen unüberschaubaren Problemlagen.

Es fängt für viele ja schon mit Gebrauchsanleitungen, wenn man etwas kauft, das nicht mehr ganz so einfach scheint wie noch vor Jahrzehnten oder die Anwenderfreundlichkeit versteht man nicht mehr. Beispiel: Heute ist es keine höhere Investition, z.B. eine Überwachungskamera für das eigene Objekt zu kaufen. Man kann dies sogar in einem Discounter tun und kauft die Kamera ein, während man im gleichen Atemzug Bananen und Müsli kauft.

Dann kann man dies zuhause auspacken, die Gebrauchsanleitung studieren und dann die Kamera mit dem eigenen Smartphone oder dem eigenen Notebook verbinden, sodass die eigene Immobilie immer überwacht wurde. Noch vor 10 Jahren war es erforderlich, dazu eine Sicherheitsfirma zu beauftragen, ggf. Leitungen durch den Elektroniker verlegen zu lassen und das Gerät durch den Sicherheitstechniker einrichten zu lassen, dann die Vernetzung mit einer Sicherheitsfirma, die wiederum mit der Polizei vernetzt war, herzustellen. Heute ist dieser immense und teure Aufwand nicht mehr nötig. Es reicht, die Gebrauchsanleitung zu studieren und bestenfalls installiert sich alles automatisch. Kabel müssen nicht mehr verlegt werden, der Sonne oder langlebigen Akkus sei Dank. Idealerweise ist eine App auf dem Smartphone installiert – die Überwachung der Immobilie ist eingerichtet und von jedem Ort der Welt kann geschaut werden, ob zuhause alles in Ordnung ist.


Minimalismus gleich Flucht vor Komplexität?

Aber: man richtet das selbst ein bzw. hat Software-Helferlein, die einem das selbst einrichten. Aber man kümmert sich selbst darum und hofft, dass alles reibungslos läuft. Der Druck, das selbst einzurichten, lastet auf einem selbst. Oder man lässt dies alles, was eher die Tendenz des Minimalismus darstellt: Back to the Roots, denn die Wurzeln lassen sich einfacher verstehen und früher war auch vieles einfacher.

Dieses einfache Beispiel aus dem Sicherheitsbereich zeigt, dass einerseits vieles einfacher geworden ist, weil man nicht mehr mehrere Handwerker bestellen muss oder sich Dinge leisten kann, die vor 10 Jahren noch sehr teuer gewesen sind. Andererseits hängt die gesamte Installation an einem selbst, obwohl man mit Sicherheitsfeatures selbst gar nichts zu tun hat. Dies kann überfordern und das will nicht jeder.



Was also meint Minimalismus?

Minimalismus richtig verstanden meint nicht nur das Entrümpeln von Gegenständen aus der Wohnung, sondern vielmehr ist damit gemeint, die immaterielle Wohnung aufzuräumen. Es geht darum, den eigenen Geist zu sortieren und mit dem Geist auch die Gefühlswelt, den eigenen inneren Kosmos zu sortieren und Überblick sowie Ordnung ins eigene Leben hineinzubringen. Das Aufräumen der eigenen Wohnung ist dabei nur ein Aspekt und nicht einmal der Wichtigste. Wenn es in der eigenen Wohnung aufgeräumt aussieht, ist es jedoch sicher eine Hilfe, Minimalismus im Kopf herzustellen.

Minimalismus meint somit, in den eigenen Kopf zu schauen, sich der eigenen Innenwelt bewusst zu werden, zu erkennen, wer man in Wahrheit ist, wie es das Orakel von Delphi vor vielen Jahrhunderten schon empfohlen hat. Das innere Aufräumen ist nicht eine Vorher-Nachher-Situation, sondern vielmehr ein Prozess, der über eine längere Zeit geht. Doch die Entscheidung für das innere Aufräumen muss bewusst gefällt werden.

Die Wohnung des Geistes zu sortieren hilft, sich in dieser komplex gewordenen Welt zurecht zu finden, einen Schritt zurückzutreten, einen Überblick über das eigene Leben zu gewinnen und zu erkennen, was man wirklich möchte: Wozu bin ich auf dieser Welt und was ist das Wichtige für mich. Oder in der Marketing-Sprache: „Was ist mein Warum?“



Wie sortiere ich nun meine innere Wohnung?

Lasse die Flut an Eindrücken nicht bis in Dein Inneres gelangen. Schütze Dich davor, z.B. vor all den Notifications des Smartphones, den Hysterien von vielbeschäftigten Menschen, die alles jetzt und sofort erhalten möchten. Lass Dich nicht auf diese Hetzerei ein, dass alle Anforderungen am besten schon gestern erledigt werden müssen.

Frage Dich: Was brauche ich wirklich? Brauche ich die vielen verschiedenen Facebook-Gruppen, bei denen ich dabei bin? Brauche ich die vielen Apps, die auf meinem Smartphone sind und die immer Alarm machen? Brauche ich im Offline-Leben die vielen Termine? Geht es auch mit weniger Terminen und wenn ja, fehlt mir was, wenn ich einige Termine einfach cancele?

Braucht es die alten Gewohnheitsmuster, die ich von meinen Eltern unreflektiert übernommen habe? Braucht es die Angst, die mir meine Mutter, mein Vater, ungewollt und unbewusst, aber dennoch sehr wirksam, eingeimpft haben? Braucht es die Verhaltensmuster von früher, die ich immer noch habe? Braucht es das Sicherheits-Denken, das in meiner Herkunftsfamilie seit Generationen weitergegeben wird? Oder darf ich frei denken, ohne Schranken, ohne „Das darfst Du nicht“, ohne Denkverbote und mit einer hohen Fehlertoleranz?

Erlaube Dir, ein neues Terrain zu betreten, abseits der ausgetretenen Pfade des „Das tut man so“ oder: „Das haben wir schon immer so gemacht!“

Erlaube Dir, vorurteilsfrei und ohne Selbst-Verurteilungen Deiner Person, Dich selbst als geliebtes und liebenswertes Wesen wahrzunehmen, auch die Verletzungen, die Du im Laufe des Lebens erlitten hast und diese liebevoll zuzulassen. Beobachte Deine Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen aus dem Geist eines Urvertrauens, das in einer umfassenden Liebe geborgen ist. Und akzeptiere Dich, so wie Du bist.

Erlaube Dir, Dich einer universalen und liebevollen Dimension zu öffnen, der Gewald adieu zu sagen und Dich der Freiheit und der Liebe, in erster Linie einmal Dir selbst gegenüber zu öffnen.



Dieser Minimalismus im Sinne des Aufräumens und Ordnens der inneren Wohnung ist ein wesentlicher Aspekt eines guten und sinnvollen Lebens.

Dies wird auch in meiner Kunst ausgedrückt, die sich den wesentlichen Dingen des Lebens widmet. Wenn Du magst, schaue gerne auf der Website vorbei: joecurtainwall.com.

Dein Joe Curtain Wall

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